Borken, 26. August 2016

Schon immer waren Friedhöfe Orte der Begegnung. Heute gilt das mehr denn je, denn viele Kommunen erweitern ihre meist christlich-jüdisch geprägten Bestattungsangebote um muslimische Grabfelder.

Im Judentum legen Besucher keinen Blumenschmuck, sondern kleine Steine auf das Grab - warum eigentlich? Im Islam werden die Toten mit Blick nach Mekka bestattet - heißt das, sie liegen auf der Seite?

Im Islam und im Judentum ist ein ewiges Ruherecht vorgeschrieben, einmal angelegte Gräber dürfen nicht verändert oder gar neu vergeben werden - gibt es da in Städten eigentlich nie Probleme mit Platzmangel? Wenn Kinder sich mit den Begräbnisritualen verschiedener Religionen und Kulturen beschäftigen, kommt in kürzester Zeit ein ganzer Berg an Fragen zusammen. Die Neugier ist groß - genau wie die Überraschung, wenn sich herausstellt, dass es trotz aller Unterschiede auch grundlegende Gemeinsamkeiten gibt.

Er ist ... HoffnungOb Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus oder Hinduismus, alle Religionen eint doch die Hoffnung, dass der Tod nicht der Schlusspunkt des Lebens ist, sondern der Anfang von etwas viel Größerem
Bild: VFFK

Kinder haben vielen Erwachsenen etwas Wichtiges voraus: Sie werten nicht, über Dinge, die ihnen fremd sind, sondern sie stellen Fragen, um diese Dinge zu verstehen. "Offen aufeinander zuzugehen, das ist der Kern von Verständigung und Integration. Und ein wichtiger Ort, um eben solche Prozesse voranzutreiben, ist der Friedhof", erklärt Andreas Mäsing. "Er ist... Hoffnung" lautet eine Aussage aus der Kampagne "Er ist ...", die der Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur unter Mäsings Vorsitz jüngst angestoßen hat. "Denn ob Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus oder Hinduismus, alle Religionen eint doch die Hoffnung, dass der Tod nicht der Schlusspunkt des Lebens ist, sondern der Anfang von etwas viel Größerem."

Die Idee zu diesem Thema entstand passenderweise tatsächlich durch eine zufällige Begegnung auf dem Gelsenkirchener Friedhof. Eine Kindergartengruppe wollte sich von Andreas Mäsing den Friedhof zeigen lassen und unter den begleitenden Elternteilen war auch ein muslimischer Vater. "Am muslimischen Grabfeld angekommen, sprach er das vorgeschriebene Totengebet. Daraus entwickelte sich ein wirklich spannendes Gespräch", erinnert sich Andreas Mäsing. Am Ende hatten alle viel über die Rituale der jeweils anderen Religion gelernt, vor allem aber eines gemerkt: Es gibt viel mehr Verbindendes als Trennendes. "In wesentlichen Punkten wie unserer Hoffnung und unserer Trauer sind wir alle gleich - das sollten wir betonen, nicht die Unterschiede!"

Der Friedhof als Ort, an dem Trauer und Hoffnung sichtbar werden, offenbart das Verbindende und lässt im besten Fall Verständnis füreinander wachsen. Und er kann den emotionalen Weg in eine neue Heimat ebnen, ist sich Mäsing sicher. "Der Theologe Fulbert Steffensky hat einmal gesagt: 'Heimat ist da, wo wir die Namen der Toten kennen.' Dem stimmte ich voll und ganz zu, und deshalb ist es so wichtig, dass Friedhöfe allen Kulturen gerecht werden. Dann ist der Friedhof nämlich nicht mehr nur ein Spiegel unserer Gesellschaft, sondern auch Teil des Kitts, der unsere so wunderbar bunte Gemeinschaft verbindet und zusammenhält."

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