Borken, 17. Dezember 2014

Wenn der Platz eines Verstorbenen am Weihnachtstisch leer bleibt, ist die Trauer oft überwältigend. Was hilft, ist der Besuch des Grabes, sagt Andreas Mäsing, der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e. V. (VFFK).

Stille Nacht, traurige Nacht?
Ein persönlich gestaltetes Grab als konkreter Ort der Trauer: Hier können die Hinterbliebenen stille Zwiesprache mit dem Verstorbenen halten und ihrer Trauer individuellen Ausdruck verleihen.


Weihnachten ist das Fest der Liebe. Familien kommen zusammen, um gemeinsam zu feiern. Ob Trauer rund um Heiligabend anders ist, und welch wichtige Rolle Friedhöfe spielen können, erklärt Andreas Mäsing im Interview.

An Heiligabend bricht in vielen Familien Hektik aus. Die Gans muss noch in den Ofen, der Baum ist vielleicht noch nicht fertig geschmückt. Passt da ein Friedhofsbesuch überhaupt in diesen Zeitplan?

Andreas Mäsing: Aber ja. Gerade in dieser für viele Menschen hektischen Zeit sollte man einen Ort haben, an dem man zur Ruhe kommen kann. Trotz der ganzen Arbeit, die man immer hat, sollte man nicht aus den Augen verlieren, dass das Weihnachtsfest im Kreise der Familie das Entscheidende ist. Und wenn ein Teil der Familie auf dem Friedhof ist, kann ein Friedhofsbesuch etwas ungemein tröstliches haben. Aus der stillen Zweisprache am Grab können die Hinterbliebenen Kraft schöpfen und wieder zu sich finden.

Wie feiern Sie privat?

Meine Frau und ich gehen jedes Jahr an Heiligabend auf den Friedhof. Da besuche ich das Grab meines Opas, und das meines Schwiegervaters. Meine Frau und ich zünden Kerzen an. Dieser Glanz von Weihnachten gehört einfach dazu. Und dass das Grab meiner Großeltern von meinen Eltern immer ganz besonders geschmückt wird, hat schon Tradition.

Können Sie Trends auf den Gräbern rund um die Weihnachtszeit erkennen?

Bunt geschmückte Tannenbäume mit Lichtern habe ich schon gesehen. Ob das ein Trend ist, kann ich aber nicht sagen. Schön finde ich, dass in den letzten Jahren immer mehr Menschen zur Weihnachtszeit den Friedhof besuchen und mit kleinen Gaben versuchen, die Verstorbenen mit ins Fest einzubeziehen. Das kann ein geschmückter Tannenzweig sein, eine Christrose oder ein Kerze, deren Licht hell strahlt in der dunklen Zeit.

Welche Bedeutung hat Weihnachten für Sie?

Für mich ist Weihnachten ganz klar das Fest, an dem die Familie zusammen kommt. Mir gefällt außerdem die Symbolik. Das Grün des Weihnachtsbaums ist zum Beispiel ein Symbol des Lebens. Weihnachten ist das christliche Fest der Geburt Christi, und eine Geburt ist der Neubeginn des Lebens. Den Friedhof an einem solchen Tag zu besuchen hat etwas sehr Positives. Denn in aller Trauer sind Friedhöfe unersetzliche Orte, an denen man sein eigenes Leben ganz bewusst in die Hand nehmen und neu anfangen kann.

vffk andreas maesing
Andreas Mäsing ist Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e.V. (VFFK).

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